Autogramme (und Artefakte) erzählen Geschichte

Ausstellung Autogramme und Artefakte „Wir flogen zum Mond – und entdeckten die Erde.“ (11.6. bis 7.8.2016)

Der Sinntaler Handschriftensammler und Weltraum-Enthusiast Erhard Belz präsentierte in einer Ausstellung vom 11. Juni bis 7. August in Steinau an der Straße Autogramme, Modelle, historische Original Exponate und „Space-Flown-Artefakte“ aus 60 Jahren Raumfahrtgeschichte. Mit dabei: Die PACO – Paul GmbH & Co. KG aus Steinau, ein Zulieferer für die Raumfahrtindustrie.

banner-ausstellung-weltraum-steinau-2016-redSeit Anfang der 90er Jahre sammelt der Sinntaler Erhard Belz Autogramme und Exponate aus der Raumfahrt. Nun zeigte er erstmals in den Räumlichkeiten des Brüder Grimm-Hauses unter Leitung von Burkhard Kling ausgewählte Stücke aus rund 60 Jahren Raumfahrtgeschichte.

Auch die Firma PACO – Paul GmbH & Co. KG – aus Steinau, Lieferant für die Luft- und Raumfahrtindustrie, war mit einer Produktauswahl beteiligt.

Zu sehen waren in der Weltraumausstellung Unterschriften von Hermann Oberth und weiteren deutschen Raketenpionieren, die später im Team von Wernher von Braun, dem Vater der Mondrakete, Raumfahrtgeschichte schreiben sollten. Zu den gezeigten Exponaten der frühen Raumfahrttage gehörte auch ein Raketenspitze einer „Aggregat 4“, von der NS-Propaganda später „Vergeltungswaffe V2“ genannt.

_MG_7335Weiter Autogramme vom ersten Menschen im Weltall, Juri Gagarin, der ersten Frau im Weltall, Valentina Tereschkowa und dem ersten „Weltraumspaziergänger“ Alexej Leonov belegen die Vorreiterrolle der damaligen Sowjetunion im beginnenden „Space Race“. US-Präsident Kennedy nahm den Wettkampf um die Vorherrschaft im Weltall an und verkündete Anfang der 60er Jahre das wagemutige Mondlandeprogramm „Apollo“. Von Kennedy wird eine Unterschrift aus seiner Zeit als US-Präsident gezeigt und auch von Neil Armstrong, dem ersten Menschen auf dem Mond.

„Apollo 8“ geflogenes Checklistenblatt

apollo-8-checkliste-titelIn der Ausstellung in Steinau waren chronologisch die großen Ereignisse der Raumfahrt von Anbeginn über die Mondlandung bis zur heutigen Internationalen Raumstation (ISS) in Wort und Bild dokumentiert. Highlights der Ausstellung war ein Original Checklistenblatt der „Apollo 8“-Mission. Es war beim ersten Flug der Menschen zum Mond dabei und trägt die Unterschrift von James Lovell, dem späteren Kommandanten von Apollo 13. Zu sehen war u.a. auch Hitzeschildfragmente historischer Missionen und eine echt geflogene Kosmonautenpost, die beim ersten Flug eines Deutschen im Weltall mitgeflogen ist.

Ein weiterer interessanter Weltraumbeleg ist mit der europäischen Trägerrakete Ariana 5 gestartet, mit dem Raumtransporter ATV zur ISS weitergeflogen und wurde beim letzten Flug eines Space Shuttle wieder mit auf die Erde gebracht.

Space Shuttle “Columbia” geflogener Crewpullover

_MG_7338Besonders stolz war Belz, den Besuchern sein persönliches Lieblings-Exponat zu präsentieren. Es handelt sich um einen Crew-Pullover der 55. Space-Shuttle-Mission, besser bekannt als „Zweiten deutsche Spacelab-Mission D2“ aus dem Jahre 1993. Das Kleidungsstück trug der US-Pilot des Space Shuttle „Columbia“, Tom Henricks, während seines Aufenthaltes im Erdorbit. Das gute Stück flog insgesamt 6.701.602,926 Kilometer (160 Erdumrundungen), was in etwa 9 Flügen zum Mond (Hin- und Rückflug) entspricht.

Abgerundet wurde die Ausstellung mit einem Blick zum Mars, oder besser vom Mars und den Zukunftsperspektiven rund um die neue Mond- und Marsrakete der Amerikaner, dem „Space Launch System (SLS).

Jubiläum: „20 Jahre Ariane 5 – eine europäische Erfolgsstory“

Der erste Start einer Ariane 5 war am 4. Juni 1996. Nach einer sehr kurzen Flugdauer drohte die Rakete aufgrund hoher aerodynamischer Kräfte, bedingt durch einen abrupten Kurswechsel, auseinander zu brechen. Die Rakete sprengte sich selbst. Nachträglich stellte man fest, dass der Absturz durch einen Softwarefehler entstanden war. Man hatte einfach von der Ariane 4 Teile der Software übernommen, obwohl diese für die neue Rakete gar nicht notwendig waren. Der Schaden betrug etwa eine halbe Milliarde US-Dollar. Dieser Fehlschlag gilt seither als der teuerste Softwarefehler aller Zeiten. Was folgt ist eine Erfolgsstory für die europäische Raumfahrt. Was nämlich für die Russen ihre „Sojus“ ist, ist für die Europäer ihre „Ariane 5“, ein Arbeitspferd zum Transport schwerer Lasten, hautsächlich Satelliten, ins All.

Steinauer Unternehmen PACO lieferte „Blasenfalle“ für die Ariane 5

blasenfalle-ariane-5Auch in Steinau gibt es ein Unternehmen, welches als Lieferant für Luft- und Raumfahrt qualifiziert ist und einen kleinen Teil des Erfolges der Ariane 5 für sich verbuchen darf. So lieferte die Metallgewebe und Filterfabrik PACO Paul GmbH & Co. KG eine spezielle Filterkomponente für die Treibstofftanks der obersten Ariane-Stufe, die in der Schwerelosigkeit störungslos funktionieren müssen.

Damit das hoch komplexe Antriebs- und Steuerungssystem im All perfekt arbeitet, dürfen sich im Treibstoff für die Antriebssysteme keine Gasbläschen befinden, die zu Störungen führen könnten. Um dies zu verhindern kam aus der Fertigung von PACO eine Art „Blasenfalle“, die praktisch Luft aus dem Treibstoff „siebt“. Das Bauteil wurde komplett in Steinau konfektioniert, gefertigt und qualitätskontrolliert.

PACO auch auf dem roten Planeten – Mit 400 „mesh“ über den Mars!

Foto: NASA

Der mittlerweile schon berühmte Mars-Rover „Curiosity“ hat übrigens auch Steinauer Teile an Bord. Zu den Aufgaben des seit rund drei Jahren auf dem Mars arbeitenden Rovers in Kleinwagengröße gehört u.a. das Sieben von Mars-Bodenproben direkt vor Ort. Von allen Siebgewebe-Herstellern der Welt auf der Welt wurde die Fa. PACO ausgewählt, „Curiosity“ entsprechend auszustatten.

Der Mars-Rover ist an seiner Vorderseite mit einem circa zwei Meter langen Roboterarm ausgerüstet. Mit dessen drei Gelenken lässt er sich ähnlich dem menschlichen System aus Schulter-, Ellenbogen- und Handgelenk bewegen. So können Instrumente sehr gezielt und nah zu den Zielobjekten auf dem Marsboden gelenkt werden.

siebgewebe-curiosityAm vorderen Ende des Roboterarms befinden sich ein Bohrsystem, eine Baggerschaufel, eine Bürste und ein PACO-Sieb mit Auffangbehältern. Dieses Instrumentarium ist auch dazu in der Lage, Bodenproben aus tieferen Schichten zu gewinnen und Löcher in Felsen zu bohren. Das Material eines Bohrkerns wird jeweils pulverisiert, um dann zum Filtersystem befördert zu werden. Es verfügt ebenfalls über mehrere Siebe mit PACO-Geweben (400 mesh = 24.000 Maschen pro Quadratzentimeter = und feiner).

Alles in allem ist PACO damit Teil des komplexesten und produktivsten Forschungssystems, das bislang in der Weltraumforschung eingesetzt wurde und wird – von der erdnahen Internationalen Raumstation ISS einmal abgesehen.

Bilder und Video von der Ausstellungs-Eröffnung hier…

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