Autogramme (und Artefakte) erzählen Geschichte

Die Einheit

„Deutschland soll selbst entscheiden….“

koalitionsvertrag-ddr-1990

Große Koalition in der DDR

Bei den ersten freien Wahlen in der DDR hatten die 12,2 Millionen Wähler im März 1990 ein klares Votum für eine zügige Vereinigung und die Einführung der sozialen Marktwirtschaft abgelegt. Lothar de Maiziére wurde erster frei gewählter Ministerpräsident einer Großen Koalition. Am 12. April 1990 wurde der Koalitionsvertrag unterzeichnet, u.a. von Rainer Eppelmann (Minister für Abrüstung und Verteidigung) und Markus Meckel (Minister für Auswärtige Angelegenheiten). In einer Erklärung bekennt sich die Volkskammer zu Verantwortung und Mitschuld für Vergangenheit und Zukunft. Jetzt galt es alle Modalitäten für eine baldige Einheit der Nation auf diplomatischem Wege anzugehen.

kohl-genscher-gorbi

16.7.1990: Grünes Licht im Kaukasus für den Verbleib eines vereinten Deutschland in der NATO.

Bereits am 15. Juli 1990 treffen sich Michail Gorbatschow und Bundeskanzler Helmut Kohl zu einem Gipfeltreffen im Kaukasus – und schreiben Geschichte. Das zwischen beiden gewachsene Vertrauensverhältnis begünstigte den Durchbruch am nächsten Tag.

Kohl fragte den Generalsekretär direkt, welches Bündnis ein vereintes Deutschland nach seiner Meinung angehören sollte. Gorbatschows Antwort: „Deutschland soll selbst frei entscheiden können, ob und welchem Bündnis es angehören will.“ Das war der Durchbruch zur Einheit. Noch im Dezember 1989 hatte „Gorbi“ die deutschen Einheitsbestrebungen zurückgewiesen, jetzt gab er den hartnäckigen Drängen Kohls nach.

„Das Parlament hat soeben nicht mehr und nicht weniger als den Untergang…

gysi-lothar

„Wem die Stunde schlägt“: Oppositionsführer Gysi (li.) und Ministerpräsident de Maizière

Es folgte ein weiteres historisches Datum in der deutschen Nachkriegsgeschichte. In der Nacht zum 23. August 1990 beschließt die Volkskammer in Ostberlin den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland zum 3. Oktober 1990. Bundeskanzler Kohl spricht von einem „entscheidenden Schritt zur Einheit Deutschlands.“ Dramatischer formulierte es der Vorsitzende der PDS, Gregor Gysi: „Das Parlament hat soeben nicht mehr und nicht weniger als den Untergang der Deutschen Demokratischen Republik beschlossen.“

einheitsvertrag

Vertrag über die Einheit Deutschlands

Es ist vollbracht. Am 31. August 1990 wird im Ostberliner Palais „Unter den Linden“ der „Vertrag über die Herstellung der Einheit Deutschlands“ von Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble, und Günther Krause, Staatssekretär im DDR-Innenministerium, unterzeichnet. Anwesend sind auch DDR-Ministerpräsident de Mazière und Hans Neusel, Staatssekretär im Bundesinnenministerium.

2 + 4-Geschräche: Das letzte Wort haben die Sieger

Vom 11. bis 13. September 1990 findet in Moskau die letzte Gesprächsrunde zwischen den Außenministern der beiden deutschen Staaten und den Außenministern der vier Siegermächte des zweiten Weltkrieges über die „äußeren Aspekte“ der Deutschen Einheit statt.

2-4-vertragAm 12. September unterzeichnen die Außenminister den „Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland.“ Mit den Unterschriften auf dem Vertrag ist die Nachkriegszeit beendet. Ab 3. Oktober 1990 sollen die allierten Rechte in Bezug auf Berlin und Deutschland als Ganzes erlöschen und das Land seine volle Souveränität wiedererlangen.

2_4-1Das Foto rechts haben unterschrieben: James A. Baker (USA), Douglas Hurd (Großbritannien), Eduard Schewardnadse (UdSSR), Roland Dumas (Frankreich), Lothar de Maizière (DDR), Hans-Dietrich Genscher (BRD) und der Präsident der Sowjetunion Michail Gorbatschow.

Deutschland einig Vaterland

ddr-letzter-tag

Letzter Tag der DDR mit Unterschrift des ersten und letzten DDR-Ministerpräsidenten

Am 2. Oktober 1990 war es soweit: Mit festlichem Zeremoniell beenden die Besatzungsmächte ihre Nachkriegspräsenz in Berlin. Mit einem Festakt verabschiedet sich die DDR am gleichen Tag im Ostberliner Schauspielhaus aus der internationalen Staatengemeinschaft. Die letzte Regierungserklärung von Lothar de Maizière wird zur bitteren Abrechnung mit dem ostdeutschen Staat. Nach seiner Rede spielt das Leipziger Gewandhausorchester unter der Leitung von Kurt Masur die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven.

„In freier Selbstbestimmung wollen wir die Einheit Deutschlands vollenden…“

einheitsfeierAm Vorabend der Einheit feiern auf beiden Seiten des Brandenburger Tors in Berlin rund eine Million Menschen mit einem riesigen Volksfest das bevorstehende Ereignis. Kurz vor Mitternacht hält Bundespräsident Richard von Weizsäcker vor dem Reichstagsgebäude eine kurze Ansprache mit einem Gelöbnis im Namen des Deutschen Volkes: „In freier Selbstbestimmung wollen wir die Einheit Deutschlands vollenden. Wir wollen in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt dienen.“

Um 00.00 Uhr singen Hunderttausende das Deutschlandlied, darunter der Kanzler der Einheit Helmut Kohl. Einigkeit und Recht und Freiheit – mit diesen Worten drückt das Deutschlandlied den lang unerfüllten Wunsch des deutschen Volkes nach Vereinigung aus. Am 3. Oktober 1990 geht dieser Wunsch endlich nach mehr als 40 Jahren der Trennung in Erfüllung.

Was am 9. November 1989 mit der friedlichen Revolution der Menschen im anderen Teil Deutschlands begonnen hatte, wird nun vollendet:

Die Einheit Deutschlands in Frieden und Freiheit.

Autogrammausstellung zu vermieten

Danke „Gorbi“