Autogramme (und Artefakte) erzählen Geschichte

Krisen und Verträge

Berlinkrise und Wandel durch Annäherung

brandtWilly Brandt, Regierender Bürgermeister von Berlin (1957-1966), gewann besonders in der Berlinkrise von 1958 international großes Ansehen. Er formulierte am 8. September vier Grundsätze der deutschen Berlin-Politik:

  1. Berlin (West) gehört zum freien Teil Deutschlands
  2. Das Selbstbestimmungsrecht der Berliner darf nicht geschmälert werden
  3. Es gilt die Vier-Mächte-Verantwortung für Berlin
  4. Es besteht das Recht auf freien Zugang nach Berlin

Die Sowjetunion hatte den Westmächten ein Ultimatum gestellt. Wenn Berlin nicht innerhalb eines halben Jahres zur „Freien Stadt“ erklärt werden würde, beabsichtigte man die Kontrolle der Verbindungswege zwischen Westdeutschland und West-Berlin der DDR zu übertragen. „Freie Stadt“ bedeutete Entmilitarisierung und Abzug der Westalliierten aus West-Berlin. Der Westen lehnte das Ultimatum ab und die Spannungen nahmen zu.

Am 27. Oktober 1961 standen sich sowjetische und amerikanische Panzer am „Checkpoint Charlie“ in Berlin gefechtsbereit gegenüber. Die Welt stand wieder einmal am Abgrund. In letzter Minute lenkt die  Sowjetunion ein und zieht ihre Panzer zurück.

„Die Deutschen sind noch durch unzählige familiäre Bande verbunden…“

brandt-nobelpreisAls Bundeskanzler setzt Willy Brandt grundsätzliche  sozialpolitische Reformen in der Bundesrepublik um und leitet mit einer neuen deutschen Ostpolitik einen „Wandel durch Annäherung“ ein. 1972 brachte er den „Grundlagenvertrag“ mit der DDR unter Dach und Fach.

„Die Deutschen sind noch durch unzählige familiäre Bande verbunden. Dass sich das nicht ändert, bis in der Zukunft eine politische Verbindung möglich sein wird, dazu bedarf es jener Politik, die die Bewahrung der Nation erstrebt.“ (Willy Brandt am 17.5.1972 anlässlich der Ratifizierung der Ost-Verträge)

Die Ost-Verträge der sozial-liberalen Regierung unter Brandt läuteten das Ende des Kalten Krieges ein. Wesentlicher Inhalt der Ost-Verträge:

  1. Die als Ergebnis des zweiten Weltkrieges entstandenen, veränderten Staatsgebiete haben endgültigen Charakter
  2. Streitigkeiten werden friedlich beigelegt
  3. Vermehrte Wirtschaftskooperationen
  4. Humanitäre Erleichterungen

„Jetzt wächst zusammen….“

brandt-einheitWilly Brandt war es vergönnt, seinen Traum von der Wiedervereinigung Deutschlands zu erleben. Nach den Fall der Mauer verkündete er vor dem Schöneberger Rathaus: „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört.“

Mauer und Macht…