Autogramme (und Artefakte) erzählen Geschichte

Wiedervereinigung

„Wir sind das Volk“

Am 7. Mai 1989 konnten der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) massive Wahlfälschungen nachgewiesen werden. Die Proteste verstärkten sich im ganzen Land und mündeten in regelmäßige Montagsdemonstrationen. Der Ruf „Wir sind das Volk“ und Forderungen nach Reformen und Reisefreiheit erreichten bei den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Staatsgründung der DDR am 7. Oktober 1989 ihren Höhepunkt.

Bereits am 2. Mai 1989 hatte Ungarn begonnen den Grenzzaun abzubauen. Am 11. September öffnete das Land seine Grenzen zu Österreich komplett. Viele Bürger aus dem Osten versuchten auch über die Botschaften der Bundesrepublik in Prag und Warschau die Ausreise zu erzwingen.

heldenstadt-leipzigIn der ganzen DDR gingen immer Menschen auf die Straße und forderten Reise-, Presse- und Versammlungsfreiheit, obwohl Volkspolizei und Betriebskampfgruppen hemmungslos gegen Demonstranten vorgingen. Am 9. Oktober protestierten 70.000 Menschen in Leipzig gegen die SED-Regierung. Die Einsatzkräfte kapitulierten und die DDR-Bürger verloren endgültig ihre Angst. Leipzig wurde Heldenstadt. Am 16. Oktober zogen schon 150.000 Menschen durch Leipzig und rufen „Wir sind das Volk“.  Am 4. November gingen eine halbe Million Menschen in Ostberlin auf die Straße und forderten freie Wahlen und den Rücktritt von Egon Krenz.

„Das tritt nach meiner Kenntnis, ähh, ist das sofort, unverzüglich.“

schabowski-jva

„Fan-Post“ aus der JVA

Eigentlich hatte Günter Schabowski, Politbüro-Mitglied, während einer Pressekonferenz am 9. November 1989 nicht viel zu berichten. Es waren eher unspektakuläre Ergebnisse einer ZK-Tagung. Am Ende der Pressekonferenz wollte ein italienischer Journalist wissen, wie weit eine neue geplante Reisegesetzgebung gediegen sei.

Schabowski kramte in seinen Unterlagen herum und es kam zum folgenreichsten Versprecher der Geschichte. Heute sei eine Regelung getroffen worden, „die jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.“ Auf die Frage, wann die Regelung in Kraft tritt, antwortete er „sofort, unverzüglich“.

Schabowski wurde wegen des Todes von DDR-Flüchtlingen zu drei Jahren Haft verurteil. Im Dezember 1999 trat er seine Strafe in der JVA Berlin-Hakenfelde an und wurde am 2. Dezember 2000, nach Begnadigung durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin Eberhard Diepgen, entlassen.

„Wir fluten jetzt.“

edward kennedy

Mauertourist Edward Kennedy mit Berlins Bürgermeister Momper und Willy Brandt am 28.11.1989 in Berlin

Die Massen an Ostberlinern, die diese neue Freiheit testen wollten, konnten die Grenzübergangsstellen nicht mehr Herr werden und ließen Tausende ausreisen.

Der Oberstleutnant Jäger gibt den Befehl aus: „Es ist nicht mehr zu halten, wir müssen die Grenzübergangsstelle aufmachen. Ich stelle die Kontrollen ein und lasse die Leute raus.“ Seine Kollegen folgen dem Befehl. Die Mauer ist gefallen. Das Land ist im Freudentaumel. Das deutsche Volk ist wiedervereint.

Die Einheit…

spruch brandt

Willy Brandt: „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört.“