Autogramme (und Artefakte) erzählen Geschichte

Spacelab-Mission D-2 (STS-55)

Space Flown „Crew-Pullover“

Am 26. April 1993, 18.51 Uhr (MEZ), heißt es von Mission Control in Houston „Go for Spacelab activities“. Unter der Missionsbezeichnung STS-55 (Space Transportation System) startete die 55. Space-Shuttle-Mission, besser bekannt unter „Zweite Deutsche Spacelab-Mission D 2“. Es war zudem der 14. Flug der Raumfähre Columbia.

schlegel-2Fast zwei Monate hatten die deutschen Astronauten Hans Schlegel und Ulrich Walter und ihre amerikanischen Kollegen warten müssen, bis mit diesem Kommando endlich ihre Mission beginnen konnte.

schlegel-1Die D2-Mission, bei der im Spacelab Experimente in der Schwerelosigkeit durchgeführt wurden, hatte zu Beginn alle Beteiligten auf eine harte Geduldsprobe. Der Start war mehrfach wegen technischer Probleme verschoben worden. Im Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hieß es deshalb in den nächsten zehn Tagen „Schichtdienst rund um die Uhr“, denn alle Experimente wurden von dort überwacht und gesteuert.

sts-55-pullover

Auf der Columbia geflogener Crew-Pullover von Pilot Tom Henricks

„Sehr geehrter Herr Schlegel, sehr geehrter Herr Walter, Sie sind sicherlich froh, nach vielen Jahren intensiver Vorbereitung und nach den eingetretenen Verzögerungen nun mit Ihrer Arbeit im Orbit beginnen zu können“, ließ Bundeskanzler Helmut Kohl in einem Telex den Astronauten ausrichten. Er wünsche viel Erfolg, bei der Bewältigung des anspruchsvollen wissenschaftlichen Programms.

Mit den insgesamt 88 europäischen, amerikanischen und japanischen Experimenten übertraf die D2-Mission ihre Vorgängermission D1, die 1985 um die Erde kreiste. Im Kontrollzentrum am DLR-Standort Oberpfaffenhofen erstellte das Team jeden Abend einen Statusbericht und aktualisierte die Ablaufpläne – die Timelines – für die Mission. Das Raumfahrtkontrollzentrum des DLR hatte die Verantwortung für den gesamten Nutzlastbetrieb.

Nach einem Tag Verlängerung im All erfolgte die Landung am 6. Mai 1993 wegen schlechten Wetters auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien statt dem Kennedy Space Center am Cape Canaveral.

Der abgebildete Crew-Pullover gehörte US-Pilot Tom Henricks. Das gute Stück flog insgesamt 6.701.602,926 Kilometer (160 Erdumrundungen), was in etwa 9 Flügen zum Mond (Hin- und Rückflug) entspricht.

sts-55-crew

(Foto: NASA)

Die Mannschaft:

  • Steven Nagel (4. Raumflug), Kommandant
  • Terence Henricks (2. Raumflug), Pilot
  • Jerry Ross (4. Raumflug), Missionsspezialist
  • Charles Precourt (1. Raumflug), Missionsspezialist
  • Bernard Harris (1. Raumflug), Missionsspezialist
  • Ulrich Walter (1. Raumflug), Nutzlastspezialist (DLR) Deutschland
  • Hans Schlegel (1. Raumflug), Nutzlastspezialist (DLR) Deutschland