Autogramme (und Artefakte) erzählen Geschichte

Sigmund Jähn: Erster Deutscher im Weltall

Der erste Deutsche im All ein Bürger der DDR

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Mitgeflogen: Sonderumschlag „Interkosmos“ mit Unterschriften von Jähn und Bykowski

So lautete die Schlagzeile am 27. August 1978 auf der Titelseite des „Neuen Deutschland“ (Organ des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands) und weiterer – gleichgeschalteter – Medien in Ostdeutschland.

Der Fliegerkosmonaut Sigmund Jähn, gebürtig aus Morgenröthe-Rautenkranz (Vogtland), war mit seinem sowjetischen Kollegen Waleri Bykowski am Vortag vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur (Kasachstan) ins All gestartet.

Die Mission „Sojus 31“ mit dem Ziel der sowjetischen Raumstation „Saljut 6“ war historisch. Es war der sechste Besuch eines Sojus-Raumschiffs bei dieser Raumstation, der 50. Flug im Sojusprogramm und der 3. Interkosmosflug. Das Interkosmosprogramm ermöglichte den Bruderstaaten der Sowjetunion einen Kosmonauten ins Weltall zu befördern. Für die DDR fiel die Wahl auf Sigmund Jähn, der somit als erster Deutscher im All und einziger Kosmonaut der DDR Geschichte schrieb.

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(Foto: Archiv Kowalski)

Während der 125 Erdumkreisungen führten Jähn und sein Kollege Bykowski sowie die Mitglieder der Stammbesatzung, Alexander Iwantschenkow und Wladimir Kowaljonok, zahlreiche Experimente durch. Dazu zählten wissenschaftlich-technische Experimente u.a. mit der DDR-Multispektralkamera MKF 6 zur Erdfernerkundung.

Die Landung der Rückkehrkapsel Sojus 29 (Sojus 31 blieb als Rückkehrkapsel für die Stammbesatzung an Saljut 6 angedockt) erfolgt am 3. September 1978 um 14.40 Uhr in der kasachischen Steppe. Der „Touchdown“ verlief ungeplant hart, da der Fallschirm sich nicht von der Landekapsel löste und diese durch die Steppe schleifte.

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„Saljut 6“ Besatzung mit Jähn und Bykowski sowie den Stammkosmonauten Iwantschenkow und Kowaljonok

 

 Vita Sigmund Jähn

  • * 13. Februar 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtland / 21. September 2019 in Strausberg bei Berlin
  • Volksschule
  • Lehre zum Buchdrucker
  • Ab 26. April 1955  Wehrdienst bei der VP-Luft, der Vorläuferin der Luftstreitkräfte der DDR, in Preschen
  • Nach Grundausbildung ab 1956 Offiziersschüler an den Fliegerschulen Bautzen und Kamenz mit Ausbildung zum Flugzeugführer. 1958 kehrte er in sein Geschwader, das Jagdfliegergeschwader 8, zurück.jaehn-EB-KCB
  • 1960 wurde er mit seinem Geschwader an den endgültigen Standort Marxwalde (heute wieder Neuhardenberg) verlegt
  • Von 1961 bis 1963 stellvertretender Kommandeur für Politarbeit einer Geschwaderstaffel. Danach leitete er bis 1965 im Geschwader den Bereich Lufttaktik/Luftschießen.
  • Im Anschluss  Studium an der Militärakademie der Luftstreitkräfte „J. A. Gagarin“; Abschluss: Militärwissenschaftler.
  • Von 1970 bis 1976 Inspekteur für Jagdfliegerausbildung und Flugsicherheit beim stellvertretenden Chef der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung der NVA.
  • Im Rahmen des Interkosmos-Programms mit vier weitere Kandidaten ab 1976 Kosmonautenausbildung. Nach der Vorauswahl blieben er und Eberhard Köllner übrig.
  • Nach erfolgreicher Raumfahrtmission 1978 stellvertretender Leiter des Zentrums für Kosmische Ausbildung beim Kommando der LSK/LV.
  • 1979 Chef des Kommandos bis 1990.
  • Am 1. März 1986 Beförderung zum Generalmajor der NVA. Er gehörte am 2. Oktober 1990 zu den letzten Generälen, die aus der NVA entlassen wurden.
  • Seit 1991 im Auftrag der ESA und der DLR als Projektleiter für die Betreuung der deutschen Astronauten im Kosmonautenausbildungszentrum bei Moskau zuständig.
  • Verstarb 2019 im Alter von 82 Jahren.

 

 

 

 

 

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