Autogramme (und Artefakte) erzählen Geschichte

„Zur Person“ Kühlmann-Stumm

Otto Christian Knut Hans Konstantin Hubertus von Kühlmann, Freiherr von Stumm-Ramholz

kuehlmann-stummRamholz ist der Sitz der Familie von Kühlmann-Stumm. Einst eine mächtige Familie der deutschen Stahldynastie. Heute wohnt der Nachfahre Maximilian von Kühlmann-Stumm zusammen mit seiner Mutter auf Schloss Ramholz.

Die Vorfahren des heutigen Schlossherrn waren vergleichbar mit der Familie „Krupp“. Nur, dass die Stahlindustrie des Saarlands, in den Händen der „Stumms“ war. Bauherr Hugo von Stumm kaufte 1883 die Liegenschaften mit der Steckelburg und dem alten Huttenschloss. An letzterem baute er von 1891-1897 das neue Schloss im Stil der englischen Renaissance. Bereits 1910 starb der Bauherr Hugo von Stumm, an Folgen eines Reitunfalls. Zu seiner Ehre stiftete seine Frau Ludovica von Stumm das Schlüchterner Kreiskrankenhaus.

Die Tochter Margarete von Stumm heiratete Richard von Kühlmann, der den Posten eines Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes des deutschen Kaiserreichs in den Weltkriegsjahren 1917/18 inne hatte (vergleichbar mit dem heutigen Außenminister). Er wickelte das Kriegsende zwischen Deutschland und der Sowjetunion in der Zeit des ersten Weltkriegs im Jahr 1918 ab und wirkte als Verhandlungsführer bei den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk mit. Im zweiten Weltkrieg war Kühlmann zeitweise Begleitoffizier von Erwin Rommel war. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft übernahm er den ererbten land- und forstwirtschaftlichen Betrieb in Ramholz, im damaligen Landkreis Schlüchtern.

schloss-ramholz

Schloss Ramholz bei Schlüchtern
(Foto: Walter Dörr)

Auch der Sohn beider genannten, wurde von Beruf Politiker: Otto Christian Knut Hans Konstantin Hubertus von Kühlmann, Freiherr von Stumm-Ramholz (* 17. Oktober 1916 in München; † 19. Januar 1977 in Bad Soden-Salmünster), kurz genannt Knut von Kühlmann-Stumm. Er war der Großvater des heutigen Schlossbesitzers. In den 60er Jahren zählte er zu einem der bedeutendsten Bundestagsabgeordneten.

Kühlmann-Stumm gehörte dem Bundestag von 1960 bis 1976 an. Nach der Bundestagswahl 1961 bot Konrad Adenauer ihm im Rahmen der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP das Amt des Bundesfinanzministers an, das er jedoch ablehnte, weil er als Industrieller keine unvoreingenommenen Entscheidungen treffen könne. Tatsächlich wurde er stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Als Erich Mende in die Bundesregierung eintrat, wurde von Kühlmann-Stumm am 5. November 1963 zum Fraktionschef der Liberalen gewählt. Dieses Amt übte er bis zum 23. Januar 1968 aus. Am 1. Dezember 1966 wurde er somit durch den Amtsantritt der Bundesregierung Kiesinger zugleich Oppositionsführer. Anschließend war er bis zum 7. Dezember 1971 wieder stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Aus Protest gegen die neue Ostpolitik der Bundesregierung Brandt/Scheel stimmte von Kühlmann-Stumm beim konstruktiven Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) am 27. April 1972 für den Oppositionskandidaten Rainer Barzel (CDU), obwohl er noch der Regierungspartei FDP angehörte. Folgerichtig stimmte er am 17. Mai 1972 auch gegen die Ostverträge und verließ anschließend die Liberalen. Zum 30. Mai 1972 legte Kühlmann-Stumm sein Bundestagsmandat nieder. Bei den Neuwahlen im November 1972 trat er dann für die CDU an und wurde erneut in den Bundestag gewählt. 1977 kam Kühlmann-Stumm bei einem Autounfall in der Nähe von Bad Soden-Salmünster ums Leben.

Bundeskanzler Adenauer gefiel die „Kühlmannsche-Mischung“ aus Ministersohn, Salem-Schüler, Banker, Hauptmann, Schafsbaron und Melker. Sein Kommentar zum Gutsherrn aus der Rhön und Abgeordneten mit dem längsten Namen im Parlament: „Wir müssten viel mehr solche Leute von der Ruhr hier haben.“